SHONGOLOLLO
Eine Reise zu einer S¸dafrikanischen Initiative in den Vororten von Johannesburg
Shongolollo ist in der Sprache der Zulu ein Tausendf¸ssler. Diesen Namen gab I. Thom dem Projekt, das sie vor etwa 10 Jahren in Eigeninitiative gr¸ndete. Jeder Fufl des Tausendf¸fllers steht f¸r einen Menschen, der gemeinsam mit anderen sich auf eine bessere von allen mitgestaltete Zukunft bewegt. Der Kreislauf aus dem es sich hinauszubewegen gilt sind Armut, Aids, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Das Motto dazu: hilf einem- hilf dadurch hundert, dann tausend. Wenn jeder der Hilfe erfahren hat einem anderen hilft, dann wird nach dem Schneeballprinzip eine Massen Wirkung erzeugt.
I. Thom lernte ich kennen, nachdem sie an der FH einen Vortrag ¸ber ihre Arbeit gehalten hatte. Sie lud mich vier Stunden vor ihrem Abflug auf ihr Quartier ein. Sie hatte auf ihrer Reise durch Deutschland eine Menge neuer Figuren und Spielartikel erworben mit denen sie mir nun die Prinzipien der Sandkastenaufstellung erl‰uterte. Eine Therapieform die sie regelm‰flig bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen anwendet.
Ich erz‰hlte ihr von meiner Arbeit und sie lud mich ein nach Johannesburg zu kommen, die Einrichtung kennen zulernen und mit ihr an einem bereits begonnen Theaterprojekt ¸ber Aids zu arbeiten. (Aids ist das zentrale Thema, da die mittlere Generation fast ausstirbt und nur die ganz junge und die ‰ltere Generation bleibt). Nach einem Jahr, schon im Vorfeld gedieh das Ph‰nomen Wunsch und Wirklichkeit etwas anders, war es dann soweit.
Den Kern von der Initiative bilden eine Hand von Jugendlichen um die 20 Jahre, die Irmgard von der Strafle (Drogen, Gl¸cksspielÖ..) geholt und sie zu Mitarbeitern f¸r ihre Einrichtung geschult hatte. Die Mitarbeiter und sie k¸mmern sich um Jugendliche und Kinder, leisten Aufkl‰rungsarbeit, haben eine Beratungsstelle f¸r Menschen in existentieller Not, gestalten Theaterprojekte und FeiernÖ. Die Selbst entwickelten Theaterprojekte sind fast immer Themen die sich mit Aids, Aufkl‰rung, Drogen und Gemeinschaft auseinandersetzen. Das f‰ngt auch schon bei 4 und 5j‰hrigen an, die mit ungebremster Spiellust Erwachsene imitieren und ihr Verhalten nachspielen. ‹berhaupt fand ich eine grofle Freude zu tanzen, sich in Szene zu setzen und zu spielen. Da braucht es keine Anleitung zum Entwickeln von kreativen Potential. Anregung f¸r Neues; Regie und Gestaltung waren schon viel eher gefragt.
Als ich einmal von einer "Township-Jugengruppe" eine Nachhilfestunde in Sachen afrikanischem Straflensteppen erhalten wollte, wurde ich mit groflen Augen angeschaut: Ich, der T‰nzer aus Deutschland! Von ihnen Nachhilfeunterricht? Nach f¸nfmaliger Verlangsamung des Tempos konnte ich dann in die Schritte einsteigen. Sie erfinden sie, weil sie daran Spafl haben und es ihnen hilft den Alltag zu ¸berleben. Die Gruppen sind so peppig und brillant, dass man sie hier direkt auf die B¸hne stellen kˆnnte.
Das wenige was ich hier noch f¸r meine Arbeit an Konzept hatte, wurde mir jeden Tag vom Leben liebevoll aus der Hand genommen. Und so hatte ich nicht wie gedacht nur mit einer Theatergruppe aus Shongollolo zu tun, sondern mit der Fortbildung von Kinderg‰rtnerinnen, Kommunikationstraining mit Jugendlichen, spielen mit 80 Kindern in einem Raum wo man gerade noch zusammen stehen kann. Hier bin ich dann auch erst einmal gescheitert. Mir kam einfach keine Idee was hier noch zu tun w‰re. Die Mitarbeiter von Shongolollo zeigten es mir. Sie haben einen groflen Fundus an Liedern die mit Spiel, Geb‰rde und Rhythmus auch auf engem Raum funktionieren.
Zum Ende meiner Reise gab es dann ein Theaterspektakel. Nicht wie mal geplant mit dem St¸ck von Shongolollo, das etwa eine Stunde gedauert h‰tte, sondern mit etwa 15 Gruppen aus der ganzen Umgebung. So ein afrikanischer Theatertag kann dann schon mal sieben Stunden dauern. Das Team entwickelte dann noch mitternachts zuvor in Hˆchstgeschwindigkeit auf der Strafle einen Gummistiefeltanz, den ich dann in noch k¸rzerer Zeit lernen sollte. Wo sie plˆtzlich zehn Paar Gummistiefel herbekamen war mir ein R‰tsel. So stand ich am n‰chsten Tag also auch vor 300 farbigen Menschen auf der B¸hne. Es war ein wunderbares Erlebnis, das Kˆnnen gesch‰tzt wird, aber das wesentliche ist, ob Freude und Intensit‰t, Spiel und Leichtigkeit sich entfalten.
‹berhaupt ist in der Theaterarbeit gefragt
- die Dinge einfach und nicht abstrakt zu gestalten.
- es brauch ein Team und Verb¸ndete, die das Leben in diesem Land kennen
- es bew‰hrt sich im darstellenden und bildnerischen bewandert zu sein- Vielfalt ist gefragt
- ich benˆtige die F‰higkeit meine Arbeit aus der aktuellen Situation zu entwickeln und flexibel auf die Umst‰nde zu antworten
An dem Theatertag kamen von den 15 Spielern nur drei, Irmgard und ich bekamen keine hinreichende Antwort warum. Nach meinem R¸ckflug wurde das St¸ck ¸ber Aids an verschiedenen Schulen mit viel Erfolg gezeigt.
Es gibt ein afrikanisches Lied das ich von den Shongollolos kennen gelernt habe und was mich heute noch begleitet: Modimo o Refile, Lebankanyana Seee, Lemotsotsonyana Hooo. Das heiflt in etwa: Gott hat uns gegeben, diesen Moment und diese Sekunden.

