"Ottersberger Septembermarkt"

Mehrgenerationenprojekt, 2002-2006

Vor fünf Jahren lud mich der ehemalige Bürgermeister Herr Rebentisch zu einem Treffen ein, wo er mir folgende Idee vorstellte: Auf dem jährlichen Septembermarkt soll nach dem Festzeltgottesdienst ein Historienspektakel stattfinden, eine Zusammenarbeit zwischen der FH-Ottersberg und der Ottersberger Bevölkerung. Drei Ziele gab es zu verfolgen:

  1. Ottersberger Geschichte in eine theatrale Form bringen
  2. eine Begegnung zwischen den Studenten und den Ottersbergern schaffen
  3. den Umsatz des Wirtes erhöhen

Nie wäre ich darauf gekommen Ottersberger Geschichte zu bearbeiten, geschweige den sie zum Anlass zu nehmen, dass nach dem Zeltgottesdienst in der Kasse des Wirtes mehr Geld klingelt. Was mir aber sehr reizvoll erschien durch Theater einen Raum zu schaffen , in dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Umgebung, zu einem gemeinsamen Spielen miteinander Treffen können. Ebenso das es einen verstärkten Kontakt zwischen der Dorfbevölkerung und den Studenten/innen der FH ermöglichen würde.

Wer dann allerdings in einer halben Stunde Theaterspiel untergebracht werden sollte, lies mich große Augen machen:

Das heißt , dass die jüngsten Mitspieler um die 7 und die ältesten um die 70 Jahre zählen.

Des weiteren sollte es in dieser schon so knapp bemessenen Zeit eine "Wirtschaftspause" geben, auf dass der Wirt seine Getränke unter das Volk bringen kann.

Was sich hier für mich gänzlich neu gestaltete war, das fast 80% der Zeit für Planung und nur 20% für Probenarbeit zur Verfügung stand. Das bedeutet kreative Sitzungen mit den Hauptbeteiligten, ein Skript im voraus schreiben (Herr Rebentisch stellt mir die geschichtlichen Fakten zusammen und ist Kontaktmann zu der Dorfbevölkerung), Gespräche mit einzelnen und den Gruppen führen, die geschichtlichen Fakten mit Spiel u. Handlungsabläufen verbinden. Diese Arbeit beginnt immer etwa 9 Monate vor der Aufführung. In den letzten beiden Wochen gibt es ein paar Einzelproben und drei Treffen mit dem Ensemble. Mehr geht nicht, da die meisten Teilnehmer berufstätig sind und die verhältnismäßig kurzen Rollen in keinem Verhältnis zu einem größeren Zeitaufwand stehen würden.

Was sich jetzt beim fünften Mal bewährt hat ist folgendes:

Das eigentliche Spiel setzt sich dann auch aus festgeschriebenen Szenen und Elementen der Improvisation zusammen. Für diejenigen mit wenig Theatererfahrung und auf Grund der Zeit, ergab es sich, dass ich Figuren oder Szenen manchmal selbst vorspiele um Anregungen zu geben, in welche Richtung etwas möglich ist.

Mit jedem Jahr steigert sich nun zu meiner Freude die Risikobereitschaft, sich immer mehr auf das Spiel einzulassen und eigene Ideen einzubringen. Die Gruppengröße hat sich auf etwa 25-30 Teilnehmer eingependelt. Die Studenten der FH sind bei dem Spiel durch ihre Kompetenz sehr geschätzt und willkommen.

So lässt sich sagen, dass Mehrgenerationenprojekte eine zeitgemäße Theaterarbeit darstellen, die die Fähigkeiten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Altersstufen zusammenbringen. Geschichtsbewusstsein und Möglichkeiten der Begegnung und gegenseitigen Wahrnehmung entstehen. Das Ensemble wächst zu einer neuen Gemeinschaft zusammen, in der jeder seinen Platz und seine Aufgabe findet, mit den ihm eigenen Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Bilder sind Impressionen vom Septembermarkt 2006 "der siebenjährige Krieg"